Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Die Wände dieser Kammer waren aus Stein und ziemlichfeucht. Die Fenster lagen sehr hoch und waren mit starkenEisenstangen vergittert. Die Steinfliesen des Fußbodensatmeten eine grimmige Kälte aus. Man hörte den regel-mäßigen Schritt der Schildwache, die auf der Flur hin undher ging. Dieses Geräusch, das eintönig war wie das derFlut, bewirkt, daß einen keinen Augenblick lang der Ge-danke verläßt: Man bewacht dich! Du bist nicht mehr frei!Alle diese Einzelheiten und der Gesamteindruck versetzenanständige Menschen in eine gräßliche Stimmung. Davidsah ein abscheuliches Bett; aber die Gefangenen sind inder ersten Nacht so aufgeregt, daß sie die Härte ihresLagers erst in der zweiten bemerken. Der Wärter warliebenswürdig und schlug natürlich seinem Sträfling vor,bis zum Anbruch der Nacht auf dem Hof spazierenzu-gehen. Davids Qual begann erst, als er schlafen ging. Eswar verboten, den Gefangenen Licht zu geben, es bedurftealso einer Erlaubnis des Prokurators, um den Mann, der inSchuldhaft saß, von der Gefängnisordnung, die ohne Zwei-fel nur für die eines Verbrechens Überführten gemacht war,auszunehmen. Der Kerkermeister nahm zwar David mitin seine Wohnung; aber schließlich mußte er zur Schlafens-zeit eingeschlossen werden. Evas armer Mann lernte jetztdie Schrecknisse des Gefängnisses und die Roheit seinerEinrichtungen, die ihn empörten, kennen. Aber es trat dieGegenwirkung ein, die den Denkern vertraut ist: er zogsich in diese Einsamkeit zurück und rettete sich aus ihr ineinen der Träume, in denen die Dichter auch im Wachenleben können. Der Unglückliche richtete schließlich seineGedanken auf seine Angelegenheiten. Das Gefängnis be-fähigt außerordentlich zu scharfer Prüfung des Gewissens.David fragte sich, ob er seine Pflichten als Hausvater er-füllt hätte. Wie verzweifelt mußte seine Frau sein! Warumhatte er nicht, wie Marion ihm gesagt hatte, erst soviel

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