Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Gefangenen eine unumschränktere Gewalt hatte, als einKönig sie hat: den Gefangenwärter. In der Provinz kenntman keinen mageren Gefangenwärter. Einmal ist dieseStelle fast eine Pfründe; dann ist ein Gefangenwärter inder Lage eines Gastwirts, der für sein Haus keine Miete zuzahlen hat, er ernährt sich dadurch sehr gut, daß er seineGefangenen, denen er übrigens, wie es der Gastwirt tut, jenach ihren Mitteln Zimmer anweist, sehr schlecht ernährt.Er kannte David, hauptsächlich von seinem Vater her,mit Namen und schenkte ihm so viel Vertrauen, daß erihn, obwohl er keinen Heller bei sich hatte, für eine Nachtgut unterbrachte. Das Gefängnis von Angouleme stammtaus dem Mittelalter und hat nicht mehr Veränderungenerlitten als die Kathedrale. Es heißt noch Justizgebäudeund stößt an das frühere Oberlandesgericht an. Die Einlaß-pforte ist klassisch, es ist eine starke, abgenutzte, niedrigeTür, deren Bau um so mehr einen zyklopischen Eindruckmacht, als das runde Fenster, durch das der Kerkermeisterdie Leute sehen kann, bevor er öffnet, aussieht wie eineinziges Auge auf der Stirn. Im Erdgeschoß zieht sich derFront entlang eine Flur, und auf diese Flur öffnen sichmehrere Kammern, deren hohe, vergitterte Fenster auf denGefängnishof gehen. Der Gefängniswärter hat eine Woh-nung, die von diesen Kammern durch ein Gewölbe getrenntist, das das Erdgeschoß in zwei Teile teilt, und an dessenEnde man von der Eingangspforte aus ein Gitter sieht,das den Gefängnishof abschließt. David wurde von demKerkermeister in eine Kammer geführt, die neben demGewölbe lag und deren Tür sich seiner Wohnung gegen-über befand. Der Gefängniswärter wollte einen Mann zumNachbar haben, der ihm in Anbetracht seiner besondernLage Gesellschaft leisten konnte.

„Das ist die beste Kammer," sagte er, als er sah, daßDavid beim Anblick dieses Raumes starr war.

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