Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
403
Einzelbild herunterladen
 

Dreißigtausend Franken, ohne das Reisegeld zu zählen."„Und Sie reisen allein!" rief Lucien. „Was bedeutet das?"versetzte der Spanier, „ich habe für mehr als hundert-tausend Taler Wechsel auf Paris bei mir. Ein Diplomatohne Geld ist dasselbe wie das, was du jetzt eben nochgewesen bist: ein Dichter ohne Willen." —

In dem Augenblick, in dem Lucien mit dem angeblichenspanischen Diplomaten in den Wagen stieg, stand Eva auf,um ihrem Kinde zu trinken zu geben. Sie fand den ver-hängnisvollen Brief und las ihn. Kalter Schweiß brach ihraus, es wurde ihr dunkel vor den Augen, sie rief Marionund Kolb.

Auf die Frage: „Ist mein Bruder fortgegangen?" ant-wortete Kolb: „Ja, Frau, vor Tagesanbruch!" „Bewahrtmir das tiefste Geheimnis über das, was ich euch an-vertraue," sagte Eva zu den beiden Bediensteten, „meinBruder ist ohne Zweifel weggegangen, um seinem Leben einEnde zu machen. Eilt ihr beide fort, zieht vorsichtig Er-kundigungen ein und seht euch am Ufer des Flusses um."

Eva blieb in einem entsetzlichen Zustand der Erstarrungzurück. Während sie sich in dieser furchtbaren Verfassungbefand, kam um sieben Uhr morgens Petit-Claud, um mitihr von Geschäften zu sprechen. In solchen Lagen hörtman all und jeden an.

„Frau Sechard," sagte der Anwalt, „unser lieber armerDavid ist im Gefängnis, und es ist nun zu dem gekommen,was ich von Anfang an gesehen habe. Ich riet ihm damals,sich zur Ausbeutung der Entdeckung mit seinen Konkurren-ten, den Cointet, zusammenzutun, die die Mittel in ihrenHänden haben, das zur Wirklichkeit zu machen, was beiIhrem Gatten noch im Zustand der Konzeption ist. Sowieich also gestern abend die Nachricht von seiner Verhaftungerhielt, was tat ich da? Ich suchte die Herren Cointet inder Absicht auf, sie zu Bedingungen zu bewegen, mit denen

403