fast katzenhaft gemacht. Lucien betrachtete die gering-sten Kleinigkeiten mit sorgenvoller Miene. Er fühlte: eshandelte sich in diesem Augenblick um Leben oder Tod.Sie waren schon auf der zweiten Umspannstation hinterRuffec. Die letzten Sätze des spanischen Priesters hattenviele Saiten in seinem Herzen zum Mitklingen gebracht,und, zur Schande Luciens und des Priesters, der dasschöne Gesicht des Dichters scharf im Auge behielt,sei es gesagt: diese Saiten waren die schlechtesten,waren die, die nur erzittern, wenn entartete Gefühle siebestürmen. Lucien sollte Paris wiedersehen, er sollte dieZügel der Herrschaft, die seinen ungeschickten Händenentfallen waren, wieder ergreifen, er sollte sich rächen!Der Vergleich zwischen dem Provinzleben und dem Lebenvon Paris, der ihn gequält hatte, der eine der stärkstenUrsachen zu seinen Selbstmordgedanken gewesen war,verschwand: er sollte wieder in sein Element kommen,aber unter dem Schutze eines Politikers, der, bis zurRuchlosigkeit eines Cromwell, tief und stark war.
,Ich war allein, wir werden zu zweit sein,' sagte er sich.
Je mehr der Geistliche in Luciens früherem Leben Fehlerentdeckt hatte, um so mehr Interesse hatte er gezeigt.Die Teilnahme dieses Menschen hatte sich im Verhältnisdes Unglücks vermehrt, und er wunderte sich über nichts.Trotzdem fragte sich Lucien, was der Beweggrund diesesMittelsmannes königlicher Intrigen sein könnte. Er be-gnügte sich zunächst mit einer sehr gewöhnlichen Be-gründung: Die Spanier sind großmütig! Der Spanier istgroßmütig, wie der Italiener Giftmischer und eifersüchtigist, wie der Franzose leichtsinnig, der Deutsche offen,der Jude gemein und der Engländer edel ist. Man kehrediese Behauptungen um, und man kommt zur Wahrheit.Die Juden haben Gold aufgehäuft, sie schreiben .Robertden Teufel', sie spielen ,Phädra', sie singen,Wilhelm Teil',398