Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Jahren keine üble Leistung!" rief Lucien, der in einemseltsam benommenen Zustande war. Die Kalesche waran einer Poststation stehengeblieben. „Ich weiß nicht,welchen Namen Sie diesem kurzen Unterrichte gebenwollen, mein Sohn. Ich nenne Sie meinen Sohn, denn ichadoptiere Sie und mache Sie zu meinem Erben. Was ichIhnen sagte, ist das Gesetzbuch des Ehrgeizes. Es gibt nureine kleine Zahl auserwählter Kinder Gottes. Von zweiDingen eines: entweder muß man in ein Kloster gehen— und da finden Sie oft die große Welt im kleinen! —,oder man muß sich diesem Gesetzbuch fügen." „Vielleichtwäre es besser, nicht so klug zu sein," sagte Lucien, derversuchte, der Seele dieses schrecklichen Priesters auf denGrund zu gehen. „Wie!" versetzte der Domherr, „nach-dem Sie gespielt haben, ohne die Spielregeln zu kennen,verlassen Sie jetzt die Partie, wo Sie stark geworden sindund sich mit einem kräftigen Geleitsmann einstellen? Undhaben nicht einmal den Wunsch, Revanche zu nehmen?Wie! Sie haben keine Lust, die zu Ihren Füßen zusehen, die schuld daran sind, daß Sie von Paris verjagtwurden?"

Lucien schauderte, wie wenn ein bronzenes Instrument,ein chinesischer Gong, die schrecklichen Töne von sichgegeben hätte, die so auf die Nerven fallen.

„Ich bin nur ein demütiger Priester," fuhr der Mannfort, und auf seinem Gesicht, das von der Sonne Spanienswie kupferfarben geworden war, zeigte sich ein schreck-licher Ausdruck, „aber wenn Menschen mich gedemütigt,gefoltert, verraten, verkauft hätten, wie es Ihnen von denMenschen geschehen ist, von denen Sie mir erzählten, ichwäre wie der Araber der Wüste! Jawohl, Leib und Seeleweihte ich der Rache. Ich würde mir nichts daraus machen,mein Leben am Galgen, in der Garrotte, am Pfahl oder,wie bei Ihnen, unter der Guillotine zu enden; aber ich

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