schloß ihn an ihr Herz und legte den Kopf auf seineSchulter.
„Du belohnst mich, wie wenn ich schon fertig wäre,"sagte er zu ihr. Statt jeder Antwort hob Eva ihr schönesGesicht, das ganz von Tränen überströmt war, und ver-harrte einen Augenblick so, ohne sprechen zu können.
„Ich umarme nicht das Genie," sagte sie, „sondern denTröster! Einem Ruhm, der gesunken ist, stellst du einenRuhm entgegen, der aufsteigt. Dem Kummer, den mir dieErniedrigung eines Bruders verursacht, stellst du die Größedes Gatten gegenüber . .. Ja, du wirst groß sein wie dieGraindorge, van Robais, wie der Perser, der uns das Krappzur Färberröte gegeben hat, wie all die Männer, von denendu mir gesprochen hast, deren Namen im Dunkel bleiben,weil sie zwar eine Industrie vervollkommnet, es aber getanhaben, ohne viel Wesen daraus zu machen." —
„Was mögen sie jetzt tun?" sagte Boniface. Der großeCointet ging mit Cerizet auf der Place du Mürier hin undher und sah nach den Schatten der Frau und des Mannes,die auf den Musselinvorhängen sich abzeichneten; denner kam jede Nacht um zwölf Uhr, um mit Cerizet zusprechen, der den Auftrag hatte, jeden Schritt seinesfrüheren Herrn zu überwachen.
„Er zeigt ihr ohne Zweifel die Papiere, die er heutemorgen gemacht hat," antwortete Cerizet. „Was für Stoffehat er benutzt?" fragte der Papierfabrikant. „Es ist nichtmöglich, es herauszubekommen," erwiderte Cerizet; „ichhabe ein Loch in das Dach gemacht, bin hinaufgeklettertund habe gesehen, wie mein Meister in dem Kupferkesselseinen Brei gekocht hat; so sehr ich auch nach den Vor-räten blickte, die in einer Ecke aufgehäuft waren, ichkonnte weiter nichts bemerken, als daß die Rohstoffe aus-sahen wie Haufen Hanf ..." „Gehen Sie nicht weiter,"sagte Boniface Cointet mit schmeichlerischer Stimme zu
230