Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
228
Einzelbild herunterladen
 

einer Schauspielerin annehmen!... Sich mit ihr zeigen!...Uns an den Bettelstab bringen!..." „Oh, das ist noch garnichts!" rief David und brach dann schnell ab.

Er hätte fast das Geheimnis der Fälschung, die seinSchwager begangen hatte, verraten, und zum Unglückmerkte Eva, daß er mit etwas zurückhielt, und blieb inunbestimmter Angst.

„Wie, nichts?" fragte sie. „Und wo nehmen wir dasGeld her, um dreitausend Franken zu bezahlen?" „Zu-nächst", versetzte David, „werden wir die Pacht für■die Ausbeutung unserer Druckerei durch Cerizet erneuern.Seit einem halben Jahre haben ihm die fünfzehn Prozent,die ihm die Cointet auf die Arbeiten, die er für sie macht,bewilligen, sechshundert Franken gebracht, und er hatfünfhundert Franken mit Akzidenzaufträgen verdient."„Wenn die Cointet das erfahren," sagte Eva, „erneuernsie vielleicht das Pachtverhältnis nicht; sie werden ihnfürchten, denn Cerizet ist ein gefährlicher Mensch." „Ach,weißt du, das kümmert mich nicht," rief Sechard; „inein paar Tagen sind wir reiche Leute! Wenn Lucien erstreich ist, mein Engel, hat er nur noch Tugenden ..."„Ach, David, Liebster, Bester, was sagst du da? Dumeinst also, in der Not hätte Lucien keine Kraft gegendas Böse! Du denkst gerade so von ihm wie Herr d'Arthez!Es gibt keinen großen Geist ohne Kraft, und Lucien istschwach ... Was ist ein Engel, der nicht in Versuchunggeführt werden darf!" „Nun, ich denke, das ist ein Wesen,das nur in seiner Umgebung, in seiner Sphäre, in seinemHimmel schön ist. Lucien ist nicht zum Kämpfen ge-schaffen, ich werde ihm den Kampf ersparen. Hier sieh!Ich bin so nahe am Ziel, daß ich dich in die Mittel ein-weihen darf."

Er nahm mehrere Stücke weißes Papier von der Größeeines Oktavblattes aus der Tasche, schwang sie trium-2 0 8