sie in Verzweiflung darüber sah, daß sie ihre Mutter-pflichten nicht mehr erfüllen konnte, beruhigte er Eva,indem er ihr einige Hoffnungen zeigte.
„Siehst du, Liebste, dein Bruder hat mit der Phantasiegesündigt. Es ist für einen Dichter so natürlich, daß ersein Gewand aus Purpur und Himmelsblau will, daß er sostürmisch nach Festen begehrt! Dieser Vogel hebt denGlanz und den Luxus und mag bei alledem ein gutes Ge-wissen haben. Und Gott verzeiht vielleicht gern, was dieGesellschaft verdammt." „Aber er ruiniert uns!" rief diearme Frau. „Er ruiniert uns heute, wie er uns vor einigenMonaten rettete, als er uns an dem ersten, was er ver-diente, teilnehmen ließ," erwiderte der gutmütige David,der wohl merkte, daß die Verzweiflung seine Frau maßlosßiachte, und daß sie bald wieder zu ihrer Liebe zu Ludenzurückkehren würde.
„Mercier sagte vor ungefähr fünfzig Jahren in seinem>Gremälde von Paris', die Literatur, die Poesie, die schönenKünste und Wissenschaften, die Erzeugnisse des Gehirnskönnten niemals einen Menschen ernähren; und Lucien,der ein Dichter ist, hat der Erfahrung von fünf Jahr-hunderten nicht geglaubt. Die Ernte der Schriftsteller-arbeit kann erst zehn oder zwölf Jahre nach der Aussaater folgen, und oft kommt es gar nicht dazu; Lucien aberhat das Unkraut für die Frucht gehalten. Er hat jetztWenigstens das Leben kennen gelernt. Erst ist er auf eine*rau hereingefallen, dann auf die vornehme Welt und diefalschen Freunde. Er hat seine Erfahrung teuer bezahlt,das ist alles. Unsere Vorfahren sagten: Wenn ein Sohnn Ur seine Ohren und seine Ehre heil nach Hause bringt,is t alles gut ... "
,,Seine Ehre!" rief die arme Eva. „Ach, gegen wie vieleTugenden hat Lucien sich vergangen! Gegen sein Gewissenschreiben! Seinen besten Freund angreifen! ... Das Geld
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