Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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habe Ihrem Bruder sein Verbrechen erleichtert, ich habeselbst diesen Artikel, der mein Buch zu töten ausging, ver-bessert und babe ihn völlig genehmigt. Sie fragen mich, obLucien meine Achtung und meine Freundschaft behaltenhat. Hier ist die Antwort schwierig. Ihr Bruder ist aufeinem Weg, auf dem er zugrunde gehen wird. In diesemAugenblick bedaure ich ihn noch; bald werde ich ihn gernvergessen haben, nicht um deswillen, was er schon getanhat, sondern wegen dessen, was er noch tun muß. IhrLucien ist ein poetischer Mensch, aber kein Poet, er träumt,aber er denkt nicht, er ist leidenschaftlich, aber nichtschöpferisch. Kurz, er ist, gestatten Sie mir das Wort, einWeibchen, das den Schein liebt, und das ist der Haupt-fehler des Franzosen. So wird Lucien immer dem Vergnü-gen, seinen Geist glänzen zu lassen, seinen besten Freundopfern. Er würde gern morgen einen Pakt mit dem Bösenabschließen, wenn dieser Pakt ihm für einige Jahre einglänzendes und üppiges Leben gäbe. Hat er nicht schonSchlimmeres getan, indem er seine Zukunft gegen dieflüchtigen Wonnen des Lebens vertauschte, das er ganzöffentlich mit einer Schauspielerin führt? In diesem Augen-blick verbergen ihm die Jugend, die Schönheit, die Hin-gebung dieses Weibes, das ihn anbetet, die Gefahren einerSituation, die die Welt nie billigen wird, selbst wenn erHoch so viel Ruhm, Erfolg und Vermögen geerntet hätte.Jeder neuen Verführung gegenüber wird Ihr Bruder wieJetzt nur den Genuß des Augenblickes sehen. Sie mögenberuhigt sein, Lucien wird nie bis zum Verbrechen gehen,er hat nicht die Kraft dazu; aber er würde ein vollendetes»erbrechen akzeptieren, würde seine Vorteile teilen, ohneseine Gefahren geteilt zu haben; und das scheint jedermannSchrecklich, selbst den Frevlern. Er wird sich selbst ver-achten, er wird bereuen; aber wenn wieder Not an Manngeht, wird er wieder anfangen; denn er hat keinen Willen,

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