Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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entschloß, einen Schritt zu tun, wie ihn die Verzweiflung rät.Der junge Herr von Rastignac war für ein paar Tage zumBesuch bei seiner Familie eingetroffen, und er hatte überLucien so schlecht gesprochen, daß diese Nachrichten ausParis mit den Kommentaren aller der Zungen, die sie ver-breitet hatten, auch zur Schwester und Mutter des Journa-listen gedrungen waren. Eva ging zu Frau von Rastignacund bat dort, den Sohn sprechen zu können. Sie sprach vonallen ihren Befürchtungen zu ihm und bat ihn, ihr dieWahrheit über Luciens Lage in Paris zu sagen. Eva erfuhrnun in einem Augenblick die Nachrichten von der Lieb-schaft ihres Bruders mit Coralie, von seinem Duell mitMichel Chrestien auf Grund seines Verrats gegen d'Arthez,kurz, sie erfuhr alle Einzelheiten von Luciens Leben in dergiftigen Darstellung eines witzigen Stutzers, der seinemHaß und seinem Neid den Mantel des Mitleids, die freund-schaftliche Form des Patriotismus, der über die Zukunfteines großen Mannes in Sorge ist, und die Farbe einer auf-richtigen Bewunderung für das Talent eines Landsmannesgab, der sich so grausam kompromittiert hatte. Er sprachvon den Fehlern, die Lucien begangen hatte, und die ihnUm die Protektion der höchsten Persönlichkeiten gebrachthatten, die daran schuld wären, daß eine Ordonnanz, dieihm das Wappen und den Namen ,von Rubempre' über-trug, zerrissen worden wäre.

„Wenn Ihr Bruder gut beraten gewesen wäre, wäre erheute auf dem Wege zu den größten Ehren und wäre Gatteder Frau von Bargeton. Aber was soll man sagen! Er hatsie verlassen und beschimpft. Sie ist zu ihrem großenBedauern Gräfin du Chätelet geworden, denn sie liebteLucien." „Ist es möglich?" rief Frau Sechard. „IhrBruder ist ein Adler, den die ersten Strahlen des Luxusund des Ruhmes geblendet haben. Wer kann sagen, wennein Adler fällt, in welchen Abgrund er stürzen wird?

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