Eva teilte ihrem Manne mit, daß Cerizet auf Rechnungder Cointet Korrekturen las.
„Der arme Kerl, er muß schon sehen, daß er leben kann,"erwiderte David in dem demütigen Ton eines Meisters, dersich schuldig fühlt. „Jawohl; aber mein Lieber, zwischenKolb und Cerizet ist folgender Unterschied: Kolb machtalle Tage zwanzig Meilen, gibt fünfzehn oder zwanzig Sousaus, bringt uns sieben, acht, manchmal neun Franken fürverkaufte Blätter und verlangt, wenn er seine Auslagenbekommen hat, nie mehr als seine zwanzig Sous. Kolbwürde sich lieber die Hand abschneiden, als daß er bei denCointet den Schwengel einer Presse anrührte, und er würdedie Sachen nicht ansehen, die du in den Hof wirfst, undWenn man ihm tausend Taler gäbe; während Cerizet sieaufliest und untersucht."
Die schönen Seelen bringen sich schwer dazu, an die Un-dankbarkeit zu glauben, sie brauchen harte Lehren, ehesie merken, wie weit die Verderbtheit des Menschen geht;und dann, wenn ihre Erziehung auf diesem Gebiete voll-endet ist, erreichen sie die Höhe einer Nachsicht, die diehöchste Stufe der Verachtung ist.
„Ach was, das ist bloße Neugier eines Pariser Straßen-Jungen!" rief also David. „Schön, mein Lieber, aber tu mirden Gefallen und geh in die Werkstatt, sieh nach, was deinJunge in einem Monat gesetzt hat, und sage mir, ob er indiesem Monat nicht mit unserm Almanach hätte fertigwerden müssen ..."
Nach dem Mittagessen überzeugte sich David, daß derAlmanach in acht Tagen hätte gesetzt sein müssen; als erdann erfuhr, daß die Cointet auch einen vorbereiteten,kam er seiner Frau zu Hilfe: er ordnete an, daß Kolbden Verkauf der Bilderbogen einstellte, und er brachtealles in der Werkstatt in Ordnung; er setzte selbst eine*orm zusammen, von der Kolb und Marion zusammen
211