Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Es gab tausend Fragen auf einmal. Frau Postel war vonder Natur dazu ausersehen, die Frau eines Apothekers inHourneau zu werden. Sie hatte die Figur des kleinen' Postelund das rote Gesicht eines Mädchens, das auf dem Landeaufgewachsen ist; sie sah sehr gewöhnlich aus, und ihreganze Schönheit bestand in der Frische ihres Wesens. Ihreroten Haare waren tief in die Stirn hereingekämmt; ihreManieren und ihre Sprache paßten zu der Einfachheit, diesich in den Zügen ihres runden Gesichts, in dem Blickihrer fast gelben Augen aussprach; alles sprach davon, daßsie geheiratet worden war, weil sie Vermögen zu erwartenhatte. Daher führte sie denn auch ein Jahr nach der Heiratdas Regiment und schien völlig die Herrin im HausePosteis geworden zu sein, der glücklich war, daß er dieseFrau gefunden hatte. Frau Leonie Postel, geboreneMarion, stillte einen Sohn, der der Liebling des altenGeistlichen, des Arztes und Posteis war, ein sehr häßlichesKind, das seinem Vater und seiner Mutter gleich sah.

,,Nun, Onkel, was wollen Sie denn in Angoulememachen," fragte Leonie,da Sie nichts zu sich nehmenwollen und davon sprechen, wieder fortzugehen, nachdemSie kaum gekommen sind?"

Sowie der würdige geistliche Herr den Namen Evas undDavid Sechards ausgesprochen hatte, errötete Postel, undLeonie warf dem kleinen Mann einen Blick gewohnheits-mäßiger Eifersucht zu, wie es eine Frau, die völlig Herrinihres Mannes ist, im Interesse ihrer Zukunft und um derVergangenheit willen immer tut.

,,Was gehen Sie denn die Leute an, Onkel, daß Sie sichin ihre Sachen mischen?" fragte Leonie mit unverkenn-barem Ärger.Sie sind unglücklich, meine Tochter," ver-setzte der Geistliche und schilderte darauf Postel denZustand, in dem sich Lucien bei Courtois befand.Oh!lg t das die Equipage, in der er aus Paris zurückkommt?"

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