„In der Provinz wie in Paris", antwortete er ihm, „darfman nur die Hälfte dessen glauben, was gesprochen wird;erschrecken Sie also nicht über ein Gerücht, das drei Meilenvon Angouleme sehr irrig sein kann. Der alte Sechard,unser Nachbar, hat Marsac seit einigen Tagen verlassen;er beschäftigt sich also wahrscheinlich mit der Ordnung derAngelegenheiten seines Sohnes. Ich gehe nach Angoulemeund sage Ihnen, wenn ich zurückkomme, ob Sie in IhreFamilie zurückkehren können; Ihre Geständnisse und IhreReue werden mir helfen, für Sie zu wirken."
Der Geistliche wußte nicht, daß Lucien seit anderthalbJahren so oft bereut hatte, daß seine Reue, mochte sienoch so stark sein, keinen andern Wert hatte als deneiner vollkommen und dazu noch in gutem Glauben ge-spielten Szene! Dem Geistlichen folgte der Arzt. DerNeffe, der erkannte, daß der Patient eine Nervenkrisehatte, deren Gefahr schon zu schwinden anfing, brachteihm ebensoviel Trost wie der Onkel und bestimmte seinenKranken schließlich, etwas zu sich zu nehmen.
Der Geistliche, der das Land und seine Gewohnheitenkannte, war nach Mansle gefahren, wo der Wagen vonRuffec nach Angouleme bald vorbeikam, in den er einstieg.Der alte Priester wollte sich bei seinem Großneffen Postel,dem Apotheker von Houmeau, der früher der Nebenbuhlerdes Buchdruckers bei der schönen Eva gewesen war, überDavid Sechard erkundigen. Auch ein Zuschauer, der wenigscharfsinnig gewesen wäre, hätte, wenn er gesehen hätte,wie behutsam der kleine Apotheker dem alten Herrn ausdem schrecklichen Rumpelkasten half, der damals denVerkehr von Ruffec nach Angouleme vermittelte, merkenmüssen, daß Herr und Frau Postel für ihr ferneres Wohlstark auf seine Erbschaft rechneten.
„Haben Sie gefrühstückt? Darf ich Ihnen etwas bringen?Wir erwarteten Sie nicht und sind angenehm überrascht."
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