Witwe des Herrn von Bargeton gehindert hatten, denjungen Dichter zu heiraten, mit dem sie seinerzeit geflohenwar, und zu hören, ob er ins Land zurückkam, um seinemSchwager David Sechard zu helfen. Die Neugier und dieMenschlichkeit vereinigten sich also, um dem sterbendenDichter schnell Hilfe zu bringen. So hörte also Lucien zweiStunden, nachdem Courtois weggeritten war, auf dem stei-nigen Mühldamm das Rasseln des Kabrioletts des Land-arztes. Die Herren Marron traten sofort in Luciens Zimmer,der Arzt war nämlich der Neffe des Geistlichen. So sahalso Lucien in diesem Augenblick Leute vor sich, die mitdem Vater David Sechards so nahe Beziehungen hatten,wie sie Nachbarn in einem Winzerstädtchen haben können.Als der Arzt den Sterbenden betrachtet, ihm den Puls be-fühlt und die Zunge angesehen hatte, sah er die Müllerinan und lächelte in einer Weise, die jede Sorge zerstreute.„Frau Courtois," sagte er, „wenn Sie, wie ich nichtzweifle, eine gute Flasche Wein im Keller haben und inIhrem Fischbehälter einen guten Aal, dann bringen Sie dasIhrem Patienten, dem weiter nichts fehlt, als daß er zer-schlagen ist. Wenn er das überstanden hat, wird unsergroßer Mann schnell wieder auf den Beinen sein." „Ach,lieber Herr," sagte Lucien, „mein Leiden sitzt nicht imKörper, sondern in der Seele; diese wackern Leute habenein Wort gesprochen, das mich fast umgebracht hat, dennes sagte mir, daß es im Hause meiner Schwester, FrauSechard, schlimm steht! Um Gottes willen, sagen Sie mir,ich habe von Frau Courtois gehört, daß Sie Ihre Tochteran Postel verheiratet haben, Sie müssen doch etwas vonder Angelegenheit David Sechards wissen." „Ja, er mußim Gefängnis sein," antwortete der Arzt. „Sein Vater hates abgelehnt, ihm zu helfen ..." „Im Gefängnis! ... Undwarum?" „Wegen Wechseln, die aus Paris kamen, und dieer ohne Frage vergessen hatte, denn es heißt ja, er wisse192
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