meinte die Müllerin. „Bah! die Diebe sind schlauer wieder, da wären wir schon ausgeplündert," versetzte derMüller.
„Ich bin weder Prinz noch Dieb noch Bischof nochSchauspieler," sagte Lucien, der plötzlich herzutrat undohne Zweifel vom Fenster aus das Gespräch der Frau mitihrem Manne gehört hatte, in traurigem Ton. „Ich bin einarmer ermüdeter junger Mensch und bin von Paris zu Fußhierhergegangen. Ich heiße Lucien von Rubempre und binder Sohn des Herrn Chardon, des Vorgängers von Postel,der die Apotheke in Houmeau hat. Meine Schwester hatDavid Sechard geheiratet, den Buchdrucker von der Placedu Mürier in Angouleme." „Warten Sie mal!" sagte derMüller. „Ist dieser Drucker nicht der Sohn des altenSchlaukopfs, der sein Gut in Marsac bewirtschaftet?"„Eben der," antwortete Lucien. „Ein kurioser Vater, mußich sagen!" fuhr Courtois fort. „Er läßt, sagt man, beiseinem Sohn alles versteigern, und dabei besitzt er überzweimalhunderttausend Franken in Grund und Boden,ohne seine Sparbüchse zu rechnen."
Wenn Seele und Leib nach einem langen und schmerz-lichen Kampfe zusammengebrochen sind, dann folgt aufdie Stunde, wo die Kraft versagt, der Tod oder eine toten-ähnliche Vernichtung, in der aber die widerstandsfähigenNaturen dann wieder neue Kräfte gewinnen. Lucien, derin einer solchen Krise war, schien in dem Augenblick, woer, wenn auch unbestimmt, die Nachricht von einer Kata-strophe erhielt, die über seinen Schwager David Sechardhereingebrochen war, fast vernichtet zu sein.
„Oh, meine Schwester!" rief er; „mein Gott, was habeich getan, ich bin ein Elender."
Er sank auf eine Holzbank, blaß und matt wie ein Ster-bender; die Müllerin brachte ihm schnell einen Napf Milchund zwang ihn, zu trinken; aber er bat den Müller, er
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