Lucien gab Berenice den Auftrag, sie sollte beim Beerdi-gungsinstitut ein Begräbnis bestellen, das, das Totenamtin der armseligen Kirche Bonne-Nouvelle inbegriffen, nichtmehr als zweihundert Franken kostete. Sowie Berenice ge-gangen war, setzte sich der Dichter an den Tisch neben dieLeiche seiner armen Geliebten und verfaßte so die zehnLieder, die lustige Einfälle und sangbare Weisen verlangten.Er stand entsetzliche Qualen aus, ehe er arbeiten konnte;aber er zwang schließlich seinen Geist in den Dienst derNotwendigkeit, als ob er kein Leid kennte. Er führte schondas schreckliche Urteil Claude Vignons über die Trennungdes Herzens vom Hirn aus. Was war das für eine Nacht,in der der unglückliche junge Mensch neben dem Priester,der für Coralie betete, beim Schein der Wachskerzen Liederfür Straßensänger verfaßte! ... Am nächsten Morgen ver-suchte Lucien, der mit seinem letzten Lied fertig gewordenwar, es einer Melodie anzupassen, die damals beliebt war;als sie ihn singen hörten, fürchteten Berenice und der Prie-ster, er wäre verrückt geworden:
Freunde! Nicht taugt die Moral
Zum Lied, längst schwor ich sie ab;
Wen schert Vernunft, der einmal
Sich ganz der Tollheit ergab!
Kein Lied ist zu schlecht,
Wenn mit Huren man zecht,
Epikur stellt es fest.
Wird Apollo bekränzt,
Wenn uns Bacchus kredenzt?
Trinkt, lacht!
Zum Teufel den Rest!
Hundert Jahre versprach
Hippokrates jedem Kumpan.
Wird auch das Bein schließlich sohwach,
Was kommt es uns darauf an?
Wenn nur die Hand bis zuletzt,
Die das Glas an die Lippe setzt,
Nicht locker läßt —.
Komme das Alter heran,
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