gesprochen hatte, die junge Talente an Finot richteten, undjetzt ging seine Feder vielleicht über die Grenzen hinaus,bis zu denen das Elend seine Vorgänger gebracht hatte.Als er sinnlos und fiebernd über die Boulevards zurück-ging, ohne das schreckliche Meisterstück zu ahnen, dasihm die Verzweiflung eingeben sollte, traf er Barbet.
„Barbet, fünfhundert Franken!" rief er ihm zu undstreckte die Hand aus. „Nein, zweihundert," erwiderte derBuchhändler. „Ach! so haben Sie also ein Herz?" „0 ja,aber ich habe auch ein Geschäft. Sie sind schuld, daß ichviel Geld verliere," fügte er hinzu, nachdem er ihm vondem Konkurs von Fendant & Cavalier erzählt hatte, „Siemüssen mir also welches zu verdienen geben."
Lucien schauderte.
„Sie sind Dichter, Sie müssen sich auf jede Art Verseverstehen," fuhr der Buchhändler fort. „Ich brauche jetztgerade Trinklieder, die ich unter ein paar Lieder, die ichvon verschiedenen Dichtern genommen habe, stecken kann,um nicht als Nachdrucker verfolgt zu werden und eine netteLiedersammlung für zehn Sous auf den Straßen verkaufenzu können. Wenn Sie mir morgen zehn feine Trinkliederoder ein bißchen so was Saftiges schicken wollen ... ja,wahrhaftig, dann gebe ich Ihnen zweihundert Franken."
Lucien ging nach Hause. Coralie lag steif ausgestrecktauf einem Gurtbett, sie war in ein schlechtes Bettuch ge-hüllt, das Berenice unter Tränen genäht hatte. Die Nor-mannin hatte an den vier Enden dieses Bettes vier Kerzenangesteckt. Auf Coralies Gesicht leuchtete die strahlendeSchönheit, die zu den Lebenden so stark spricht und einevöllige Ruhe kündet; sie sah aus wie die jungen Mädchen,die die Bleichsucht haben; manchmal schien es, als ob diesevioletten Lippen sich öffnen und ,Lucien' flüstern wollten,den Namen, den sie zusammen mit dem Namen Gottesnoch ausgesprochen hatte, bevor sie ihr Leben aushauchte.
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