Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Kinderglauben zurück und verlangte, daß Lucien ihr einenPriester holte. Die Schauspielerin wollte sich mit der Kircheversöhnen und in Frieden sterben. Sie hatte ein christ-liches Ende, ihre Reue war aufrichtig. Dieser Todeskampfund dieses Sterben nahmen Lucien vollends seine Kraftund seinen Mut. Der Dichter saß völlig zusammenge-brochen auf einem Stuhl am Fuß von Coralies Bett undblickte nicht von ihr weg bis zu dem Augenblick, wo dieHand des Todes die Augen der Schauspielerin verdrehte.Es war um fünf Uhr morgens. Ein Vogel setzte sich aufeinen der Blumentöpfe, die vor dem Fenster standen, undsang ein Liedchen. Berenice kniete vor dem Bett niederund küßte Coralies Hand, die unter ihren Tränen kaltwurde. Es waren nur noch elf Sous in der Wohnung.Lucien verließ das Haus, die Verzweiflung sagte ihm, ermüßte betteln gehen, um seine Geliebte begraben zukönnen, oder sich der Marquise d'Espard, dem Grafendu Chätelet, der Frau von Bargeton, dem Fräuleindes Touches oder Herrn von Marsay, dem schrecklichenStutzer, zu Füßen werfen; er hatte keinen Stolz undkeine Kraft mehr in sich. Um Geld zu bekommen, hätteer sich als Soldat anwerben lassen! Er ging in der ge-beugten und aufgelösten Haltung, die die Unglücklichenkennen, in das Haus Camille Maupins, betrat es, ohneauf die Unordnung seines Anzugs zu achten, und bat,empfangen zu werden.

Das Fräulein hat sich um drei Uhr morgens hingelegt,und niemand darf es wagen, sie zu stören, bevor sie ge-klingelt hat," erwiderte der Kammerdiener.Wann klin-gelt sie Ihnen?"Nie vor zehn Uhr."

Nunmehr schrieb Lucien einen der furchtbaren Briefe,m denen die vornehmen Bettler keinen Rückhalt mehrkennen. Eines Abends hatte er die Möglichkeit solcherErniedrigung bezweifelt, als Lousteau ihm von den Bitten

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