liehe Redakteur für einen verwegenen Ehrgeizigen sein.Wer konnte unter diesem Unterrock versteckt sein? Nacheinigen Forschungen entdeckte Octavia, daß der Königmit seinem Minister korrespondierte. Ihr Plan ist fertig.Unterstützt von einem treuen Freund, sorgt sie einesTages dafür, daß der Minister durch eine stürmischeDiskussion in der Kammer zurückgehalten wird undverschafft sich ein Tete-ä-tete, in dem sie die Eitelkeitdes Königs aufs höchste reizt. Ludwig XVIII. bekommteinen echt bourbonischen und königlichen Zornanfall, erwütet gegen Octavia, er zweifelt; Octavia schlägt einensofortigen Beweis vor, indem sie ihn bittet, eine Zeilezu schreiben, die unverzüglich eine Antwort verlangt.Die unglückliche Frau, die so überrumpelt wird, willihren Mann in der Kammer aufsuchen lassen; aber eswar für alles vorgesorgt, und er stand in diesem Augen-blick auf der Tribüne. Die arme Frau schwitzt Wasserund Blut, sucht all ihren Witz zusammen und antwortetmit dem Geist, den sie hat. ,Ihr Kanzler mag Ihnendas übrige sagen,' rief Octavia und lachte über die Ent-täuschung des Königs.
Obwohl dieser Artikel erlogen war, traf er den Justiz-minister, seine Frau und den König sehr empfindlich. DesLupeaulx, dem Finot das Geheimnis immer bewahrt hat,hatte, wie man sagt, die Anekdote erfunden. Dieser witzigeund giftige Artikel bereitete den Liberalen und der ParteiLouis Philipps große Freude; Lucien amüsierte sich dar-über, ohne etwas anderes darin zu sehen als eine sehr feineEnte. Am nächsten Tage ging er des Lupeaulx und denBaron du Chätelet abholen. Der Baron kam eben von derVisite zurück, die er Seiner Herrlichkeit gemacht hatte,um seinen Dank abzustatten. Der Herr Chätelet war zumTitularrat und zum Grafen ernannt worden, und manhatte ihm versprochen, er sollte die Präfektur der Charente164