Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

Um seinen Spielverlust wieder zu ersetzen, fand Lucientrotz seiner Entkräftung Schwung, Jugendkraft und Witzund verfaßte dreißig Artikel von je zwei Spalten. Als erdamit fertig war, ging Lucien zu Dauriat, wo er sicher war,Finot zu treffen, dem er die Artikel heimlich übergebenwollte; überdies fand er es nötig, den Buchhändler überdie NichtVeröffentlichung der ,Margueriten' zu einer Er-klärung zu bringen. Der Laden war gefüllt mit seinenFeinden. Als er eintrat, entstand ein völliges Schweigen,die Unterhaltungen stockten. Als Lucien sich so in denjournalistischen Bann getan sah, fühlte er doppelten Mutin sich, und er sagte wie in der Allee des Luxembourg zusich selbst: ,Ich werde siegen!'

Dauriat war weder gönnerhaft noch freundlich, er zeigtesich spöttisch und zog sich hinter sein Recht zurück: erwürde die ,Margueriten' erscheinen lassen, wann er wollte,er wollte abwarten, bis Lucien sich eine Stellung geschaffenhätte, er hätte das unbeschränkte Eigentum erworben. AlsLucien einwandte, Dauriat wäre durch die Natur des Kon-trakts und die Eigenschaft der Vertragschließenden ver-pflichtet, seine ,Margueriten' zu' veröffentlichen, behaup-tete der Verleger das Gegenteil und sagte, daß er juristischnicht zu einem Geschäft verpflichtet sein könnte, das erfür schlecht hielte, er allein müßte über den günstigen Zeit-punkt entscheiden. Es gäbe übrigens eine Lösung, gegendie kein Gerichtshof der Welt etwas einwenden könnte: esstünde Lucien frei, die tausend Taler wiederzugeben, seinWerk wieder in Empfang zu nehmen und es von einemroyalistischen Verleger herausbringen zu lassen.

Lucien ging, er ärgerte sich mehr über den ruhigen Ton,den Dauriat angeschlagen hatte, als über sein aristokra-tisches Protzen bei ihrem ersten Zusammentreffen. Die,Margueriten' sollten also ohne Zweifel erst in dem Augen-blick veröffentlicht werden, in dem Lucien die Hilfstruppen

160