Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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niedergeschlagen antraf; aber nachdem er ihr vor Luciengesagt hatte, Florine hätte die Rolle gelernt, und es wäreunmöglich, das Stück am Abend nicht zu geben, richtetesie sich auf und sprang aus dem Bett: „Ich werde spie-len!" schrie sie.

Sie fiel bewußtlos hin. Florine hatte also die Rolle undgründete ihren Ruhm darauf, denn sie rettete das Stück;es wurden ihr in allen Zeitungen die größten Huldigungengebracht, und von da an wurde sie die große Schauspie-lerin, die die Welt kennt. Der Triumph Florinens brachteLucien völlig außer sich.

„Diese Elende, deren Glück du begründet hast! Wenndas Gymnase will, kann es dein Engagement lösen. Ichwerde Graf von Rubempre, werde reich und heirate dich."„Welche Torheit!" sagte Coralie und warf ihm einen fahlenBlick zu. „Torheit!" rief Lucien. „In einigen Tagen sollstdu ein schönes Haus bewohnen, eine Equipage haben, undich schreibe eine Rolle für dich." Er steckte zweitausendFranken zu sich und eilte zu Frascati. Der Unglücklicheblieb dort sieben Stunden. Wahnsinnige Gier zehrte anihm, aber sein Gesicht war kalt und ruhig. Währenddieses Tages und eines Teiles der Nacht wechselten seineChancen fortwährend: er brachte es bis zu dreißigtausendFranken und ging schließlich ohne einen Sou. Zu Hausefand er Finot vor, der auf ihn wartete, um nach seinenArtikelchen zu fragen. Lucien beging den Fehler, sichzu beklagen.

„Ja, es ist nicht alles rosig," erwiderte Finot; „Sie habenIhre Schwenkung so plötzlich gemacht, daß Sie die Unter-stützung der liberalen Presse verlieren mußten, die vielstärker ist als die ministerielle und royalistische Presse.Man sollte nie von einem Lager ins andere übergehen, wennman sich nicht vorher ein gutes Bett zurechtgemacht hat,in dem man sich über die Verluste tröstet, auf die man

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