Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Bourdonnais, in das Seidenhaus zum Cocon d'or, um Camu-sot vorzuschlagen, sie ihm zu diskontieren. Der Dichterwar noch nicht so verdorben, daß er sich zu diesem Gangkalten Blutes entschließen konnte. Er stand unterwegsbittere Schmerzen aus, bei jedem Schritt bestürmten ihnschreckliche Gedanken, und er sagte sich abwechselnd:,Ja! — Nein!' Aber trotzdem war er schließlich in demkleinen, frostigen, geschwärzten, von einem innern Hof auserleuchteten Kontor angekommen, in dem in ernster Würdenicht mehr der Liebhaber Coralies, der Verschwender, derTaugenichts, der lustige, ungläubige Camusot saß, den ergekannt hatte, sondern der ernsthafte Familienvater, derKaufmann, der voller Listen und Tugenden war, der dieMaske der würdevollen Haltung eines Handelsrichters trugund die kühle Gelassenheit des Chefs eines Handelshausesan sich hatte, der von Kommis, von Regalen, von grünenSchachteln, von Rechnungen und Musterkarten umgebenwar, dem überdies die Gesellschaft seiner Frau und einersehr schlicht gekleideten Tochter nicht fehlte. Lucienzitterte von Kopf bis zu Fuß, als er auf ihn zutrat; dennder ehrenwerte Kaufmann warf ihm den Blick hoch-mütiger Gleichgültigkeit zu, den er schon in den Augender Diskontierer gesehen hatte.

„Ich habe hier Wechsel, ich wäre Ihnen tausend Dankschuldig, wenn Sie sie mir abnehmen wollten, Herr Camu-sot," sagte er. Er stand neben dem Kaufmann, der anseinem Pulte saß. „Sie haben mir etwas abgenommen,"versetzte Camusot, „ich habe es nicht vergessen."

Lucien erklärte jetzt mit leiser Stimme die Lage Coralies,er flüsterte dem Seidenhändler ins Ohr, und dieser konntedas Herzklopfen des gedemütigten Dichters vernehmen.Camusot war nicht gemeint, daß Coralie eine Niederlageerleiden sollte. Während er zuhörte, besah sich der Kauf-mann die Unterschriften auf den Wechseln und lächelte;

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