Murren der Unzufriedenheit oder das Schweigen eines kal-ten Publikums nahm ihr ihre Mittel; ein voller, aufmerk-samer Zuschauerraum, bewundernde, wohlwollende Blickeelektrisierten sie; sie stand dann in Verbindung mit denedeln Eigenschaften all dieser Herzen und fühlte die Machtin sich, sie zu erheben, sie zu bewegen. Diese doppelte Wir-kung zeugte von der Kraft ihrer Natur und ihrer genialenAnlage, verriet aber zugleich, wie zart und gebrechlich dasarme Kind war. Lucien hatte schließlich die Schätze, diedieses Herz barg, erkannt, er hatte gemerkt, wie sehr seineGeliebte noch ein junges Mädchen war. Coralie war nichttauglich zu den Falschheiten des Schauspielerdaseins undkonnte sich gegen die Ränke und Kulissenmanöver, derensich Florine bediente, nicht schützen. Diese war ein ebensogefährliches und verderbtes Mädchen, wie ihre Freundinschlicht und edelmütig war. Die Rollen mußten Coralieaufsuchen; sie war zu stolz, bei den Autoren zu betteln undsich ihren ehrlosen Bedingungen zu fügen, sich dem erstenbesten Journalisten hinzugeben, der sie mit seiner Liebeund seiner Feder bedrohte. Das Talent, das in dieser außer-gewöhnlichen Kunst, der Schauspielkunst, schon sehr seltengeworden ist, ist nur eine der Bedingungen des Erfolges;das Talent ist sogar lange schädlich, wenn es nicht voneiner gewissen Begabung zur Intrige begleitet ist, die Coralievöllig fehlte. Lucien sah voraus, was für schlimme Dingeseine Freundin bei ihrem ersten Auftreten im Gymnase er-warteten, und wollte ihr um jeden Preis einen Sieg ver-schaffen. Das Geld, das von den verkauften Möbeln übriggeblieben war, und was Lucien verdient hatte, war allesfür die Kostüme, für die Einrichtung des Ankleidezimmers,für alle Kosten eines Debüts draufgegangen. Einige Tage,bevor Coralie auftreten sollte, entschloß sich Lucien ausLiebe zu ihr zu einem demütigenden Schritt: er nahm dieWechsel von Fendant & Cavalier, begab sich in die Rue des
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