Für Napoleon war diese Woche der Rückzug von Moskau.Jetzt war dieser Augenblick für Lucien gekommen. Alleswar einander in der großen Welt und in der Literatur zuglücklich gefolgt; er war zu glücklich gewesen, er mußtesehen, wie die Menschen und die Dinge sich gegen ihnwandten. Der erste Schmerz war der lebhafteste und grau-samste von allen, er traf ihn da, wo er sich unverwundbargeglaubt hatte, in seinem Herzen und seiner Liebe. Coraliebesaß keinen Geist; aber sie hatte eine schöne Seele undbesaß die Gabe, sie mit der Kunst der Verkörperung,die die große Schauspielerin ausmacht, nach außen zubringen. Diese seltsame Erscheinung ist, solange sie nichtdurch lange Übung zu einer Art Gewohnheit geworden ist,den Launen der Natur und oft einer wunderschönen Schamunterworfen, die in den Schauspielerinnen, solange sie nochjung sind, oft getroffen wird. Coralie, die innerlich un-schuldig und schüchtern, nach außen keck und leichtfertigwar, wie es eine Schauspielerin sein muß, erlebte jetzt, wodie Liebe dazukam, einen Rückschlag ihres Frauenherzensauf ihre Komödiantenmaske. Die Kunst, die Gefühlewiederzugeben, diese himmlische Falschheit und Ver-stellungskunst, hatte in ihr noch nicht über die Natur ge-siegt. Sie schämte sich, dem Publikum zu geben, was nurder Liebe gehörte. Dann hatte sie eine Schwäche, die beiinnerlich wahrhaften Frauen natürlich ist. Obwohl siewußte, daß sie dazu berufen war, souverän auf der Bühnezu herrschen, hatte sie das Bedürfnis nach Erfolg. Sie warunfähig, einer Zuschauermenge zu trotzen, die ihr nichtwillig folgte; sie zitterte immer, wenn sie die Bühne betrat,und dann konnte sie die Kälte des Publikums wie zu Steinmachen. Dieses schreckliche Gefühl bewirkte es, daß fürsie jede neue Rolle ein neues Debüt war. Der Beifall ver-setzte sie in eine Art Rausch, den ihre Eigenliebe nichtbrauchte, der aber ihrem Mut unentbehrlich war; ein
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