Kritik einem Manne, dessen Buch sie auf ihrem Altar ge-opfert hat, die Hand. Das Opfer muß den Opferer um-armen, wenn er nicht die Spießruten des Spottes laufenwill. Wenn ein Schriftsteller nicht so verfährt, kommter in den Ruf der Unliebenswürdigkeit, wird er ein unver-träglicher Mensch, ein krasser Egoist, ein unzugänglicher,gehässiger, nachtragender Kerl genannt. Hat heutzutageein Schriftsteller die Stiche des verräterischen Dolchesin den Rücken bekommen, ist er den Netzen, die mitniederträchtiger Heuchelei gestellt worden sind, entronnen,ist er der schlimmsten Behandlung ausgesetzt gewesen.dann muß er zusehen und stillhalten, wenn seine Mörderihm guten Tag sagen, Anspruch auf seine Achtung, sogarauf seine Freundschaft machen. Alles wird in einer Zeit.wo man die Tugend in Laster verwandelt, wie man ge-wisse Laster zu Tugenden erhoben hat, entschuldigt undgerechtfertigt. Die Kameradschaft ist von allen Frei-heiten die geheiligtste geworden. Politische Führer, dieeinander schroff gegenüberstehen, sprechen zueinanderin Worten ohne Schärfe oder mit höflichen Spitzen. Injener Zeit erforderte es, vielleicht erinnert sich der eineoder der andere noch daran, für manche royalistische undfür manche liberale Schriftsteller Mut, sich im selbenTheater zu treffen. Man konnte die gehässigsten Heraus-forderungen zu hören bekommen. Die Blicke waren ge-laden wie Pistolen, der geringste Funke konnte das Los-platzen eines heftigen Streites herbeiführen. Wer hat nichtseinen Nachbarn in Verwünschungen ausbrechen hören,wenn einige Männer eintraten, die den Angriffen einer derbeiden Parteien besonders ausgesetzt waren? Es gab da-mals nur zwei Parteien, die Royalisten und die Liberalen,die Romantiker und die Klassiker, das war beides derselbeHaß unter zwei verschiedenen Formen, ein Haß, angesichtsdessen man die Schafotte der Konventszeit begriff. Lucien.140
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