bei einer solchen Gelegenheit verfahren. Gib also acht!Du fängst damit an, das Werk schön zu finden, und dukannst dich dann damit amüsieren, zu schreiben, was dudarüber denkst. Das Publikum wird sich sagen: ,DieserKritiker ist ohne Eifersucht, er wird sicher unparteiischsein.' Das Publikum wird also deine Kritik für gewissen-haft halten. Nachdem du dir nun also die Achtung deinesLesers gewonnen hast, sprichst du dein Bedauern aus, daßdu das System tadeln mußt, wie Bücher der Art in diefranzösische Literatur hineinkommen wollen. Du sagstalso etwa: geherrscht nicht Frankreich die Intelligenzder ganzen Welt? Bis zum heutigen Tage, durch alleJahrhunderte hindurch, hielten die französischen Schrift-steller Europa auf den Bahnen der Analyse und der philo-sophischen Untersuchung durch die Macht des Stils unddie originelle Form, die sie den Ideen gaben.' Hier bringstdu für den braven Bürger eine Lobrede auf Voltaire,Rousseau, Diderot, Montesquieu und Buffon an. Du setzestauseinander, wie unbarmherzig in Frankreich die Spracheist, du beweisest, daß sie ein Lack ist, der den Gedan-ken völlig bedeckt. Du gibst Grundsätze von dir wie denfolgenden: ,Ein großer Schriftsteller in Frankreich istimmer ein großer Mann, die Sprache zwingt ihn, immerzu denken; das ist in den andern Ländern nicht so usw.'Du beweisest deine Behauptung, indem du Rabener,einen deutschen Moralsatiriker, mit Labruyere vergleichst.Nichts steht einem Kritiker so gut an, wie wenn er voneinem fremden Autor spricht, den niemand kennt. Kantist der Sockel von Cousin. Bist du erst einmal auf diesemBoden, so gibst du ein Wort von dir, das den Laien dasSystem unserer genialen Männer des letzten Jahrhundertszusammenfaßt und erklärt: du nennst ihre Literatur eineLiteratur der Metaphysik. Hast du erst einmal diesesWort, so wirfst du den lebenden Schriftstellern alle
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