Eifersucht unter diesen Leuten, die die Angst nicht so sehrstachelte als die Neugierde, zu erfahren, welchen Platzeine neue Größe einnehmen und wieviel bei der allge-meinen Teilung der Erträge der Presse auf sie kommenwürde. Finot, der in Lucien eine Mine zum Ausbeutensah, Lousteau, der Rechte auf ihn zu besitzen glaubte,waren die einzigen, die der Dichter lächeln sah. Lousteau,der schon das Gebaren eines Chefredakteurs angenommenhatte, klopfte energisch an das Fenster von DauriatsKabinett.
„Im Augenblick, mein Freund," antwortete ihm derBuchhändler, der ihn erkannte, und hob den Kopf überdie grünen Vorhänge.
Der Augenblick dauerte eine Stunde, nach deren Ver-lauf Lucien und sein Freund ins Allerheiligste eintraten.
„Nun, haben Sie sich die Sache mit meinem Freunddurch den Kopf gehen lassen?" fragte der neue Chef-redakteur. „Gewiß," erwiderte Dauriat mit der Haltungeines Sultans. „Ich habe die Sammlung durchgesehenund sie einem Mann von Geschmack, einem guten Be-urteiler, zu lesen gegeben, denn ich bilde mir nicht ein,davon allzuviel zu verstehen. Ich kaufe den Ruhm lieberfix und fertig, wie jener Engländer die Liebe. — Sie sindein ebenso großer Dichter, wie Sie hübsch sind, Kleiner,"sagte Dauriat. „So wahr ich ein ehrlicher Mann, ich sagenicht, Buchhändler bin, geben Sie acht! Ihre Sonettesind prachtvoll, man merkt nicht die Arbeit; das ist jaauch natürlich bei Inspiration und Feuer. Kurz, Sie ver-stehen zu reimen, die besondere Kunst der neuen Schule.Ihre ,Margueriten' sind ein schönes Buch, aber es ist keinGeschäft für mich, und ich kann mich nur mit großenUnternehmungen befassen. Auf mein Gewissen, ich willIhre Sonette nicht nehmen, es wäre mir unmöglich, siezu lancieren, man kommt nicht auf die Kosten, wenn
31