Händler, daß er sich nicht erinnerte, sie während dervierzehn Monate ihrer Beziehungen so reizend und an-mutig gesehen zu haben.
,Wohlan,' sagte er sich, .bleiben wir bei ihr, trotzdem!"
Camusot schlug Coralie heimlich eine Eintragung vonsechstausend Pfund Rente in das Hauptbuch, das seineFrau nicht kannte, vor, wenn sie unter der Bedingungseine Geliebte bleiben wollte, daß er sich ihre Liebe zuLucien gefallen ließ.
„Einen so himmlischen Menschen betrügen? . . . Abersieh ihn dir doch an, und sieh dann dich an!" sagte sie,indem sie auf den Dichter zeigte, dem Camusot einenleichten Schwips beigebracht hatte.
Camusot beschloß, darauf zu warten, daß ihm das Elenddie Frau wiedergeben würde, die ihm das Elend ausge-liefert hatte.
„So werde ich denn nur dein Freund sein," sagte er undküßte sie auf die Stirn.
Lucien verließ Coralie und Camusot und begab sich indie Holzgalerien. Welche Veränderung hatte seine Ein-weihung in die Geheimnisse der Zeitung in seinem Kopfhervorgebracht! Er mischte sich ohne Furcht unter dieMenge, die in den Galerien wogte, nahm eine heraus-fordernde Miene an, weil er eine Geliebte hatte, und tratungeniert bei Dauriat ein, weil er Journalist war. Er fanddort große Gesellschaft, gab Blondet, Nathan, Finot, derganzen Literatur, mit der er sich seit einer Woche ver-brüdert hatte, die Hand; er hielt sich für eine Persönlich-keit und glaubte sich seinen Kameraden überlegen; derkleine Rausch tat ihm treffliche Dienste, er war geistreichund bewies, daß er mit den Wölfen heulen könne. Trotz-dem empfing Lucien nicht die schweigsamen, stummenoder ausgesprochenen Zustimmungen, auf die er gerech-net hatte; er bemerkte zum erstenmal eine Regung von
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