lechzen. In beiden Fällen muß man mich verlassen odermich nehmen, wie ich bin," sagte sie und machte dabeieine königliche Gebärde, mit der sie den Kaufmann ver-nichtete. „Sollte es wahr sein?" sagte Camusot, der anLuciens Haltung, die den Glauben an eine Täuschungnicht aufkommen ließ, merkte, daß Coralie nicht scherzte.„Ich liebe das Fräulein," sagte Lucien.
Als Coralie dieses Wort hörte, das mit bewegter Stimmegesprochen war, warf sie sich ihrem Dichter um den Hals,preßte ihn in ihre Arme und wandte dem Seidenfabrikantenden Kopf zu, wie um ihm die wundervolle Liebesgruppezu zeigen, die sie mit Lucien bildete.
„Armer Musot, nimm alles zurück, was du mir ge-schenkt hast, ich will nichts von dir, ich liebe den Knabenda wahnsinnig, nicht wegen seines Geistes, sondern wegenseiner Schönheit. Ich will lieber mit ihm elend sein, alsdaß mir deine Millionen zur Verfügung stehen."
Camusot sank in einen Sessel, nahm den Kopf zwischendie Hände und blieb schweigend sitzen.
„Wollen Sie, daß wir fortgehen?" fragte sie ihn mit un-glaublicher Grausamkeit.
Lucien lief es kalt über den Rücken, als er sich so miteiner Frau, und dazu einer Schauspielerin, und einem Haus-halt bedroht sah.
„Bleibe hier, behalte alles, Coralie," sagte der Kauf-mann mit einer schwachen und schmerzlichen Stimme,die aus der Seele kam, „ich will nichts zurücknehmen.Es stecken hier in den Möbeln allerdings sechzigtausendFranken, aber ich kann den Gedanken nicht fassen, daßmeine Coralie ins Elend gehen soll. Und doch wirst dubald genug darin sein. So viel Talent der Herr auch habenmag, er kann dir keine Existenz damit geben. Das istdas Los, das uns alte Männer alle erwartet! Coralie, laßmir das Recht, dich manchmal zu besuchen! Ich kann
18