Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Enterhaken an den zartesten Plätzen der Seele einschlagen,sich mit einer unglaublichen Schmiegsamkeit allen Wün-schen anpassen und die erschlaffenden Gewohnheiten be-günstigen, in denen ihre Stärke wurzelt. Er durstete schonnach den Pariser Genüssen, er liebte das leichte, üppigeund prächtige Leben, das ihm die Schauspielerin bei sichzu Hause bereitete. Er fand Coralie und Camusot außersich vor Freude. Das Gymnase hatte für nächste Osterneinen Engagementsantrag gemacht, dessen Bedingungen,die im einzelnen formuliert waren, Coralies kühnste Hoff-nungen hinter sich ließen.

„Wir verdanken Ihnen diesen Triumph," sagte Camusot.„0 gewiß! Ohne ihn wäre der Alkalde durchgefallen,"rief Coralie. „Es wäre kein Artikel geschrieben worden,und ich wäre noch sechs Jahre an diesem Boulevard-theater."

Sie fiel ihm, ohne auf Camusot zu achten, um den Hals.Die Hingebung dieser Schauspielerin hatte in ihrer Plötz-lichkeit etwas Weiches, in all ihrer Leidenschaftlichkeitetwas Sanftes: sie liebte! Wie es alle Menschen tun, wennsie großen Schmerz empfinden, senkte Camusot seine Augenzu Boden und sah am Rande von Luciens Stiefeln diefarbige Naht, wie sie von den berühmten Schuhmachernangebracht wird, die sich in dunklem Gelb von dem leuch-tenden Schwarz des Schaftes abhob. Die originelle Farbedieses Fadens hatte ihn während seines Monologs über dierätselhafte Anwesenheit eines Paars Herrenstiefel vor Co-ralies Kamin beschäftigt. Er hatte auf dem weißen, zartenLeder des Futters in schwarzen Lettern die Adresse einesdamals berühmten Schuhmachers gelesen: ,Gay, Rue dela Michodiere'.

„Sie haben sehr schöne Stiefel," sagte er zu Lucien.„Es ist alles schön an ihm," erwiderte Coralie. „Ichmöchte mir gern bei Ihrem Schuhmacher meine Stiefel

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