Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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und wird immer Artikel schreiben, nichts als Artikel. Undwenn er noch so fleißig arbeitet, wird er auf seine Prosanie ein Buch pfropfen können. Felicien ist unfähig, einWerk zu konzipieren, seine Massen richtig zu ordnen, diePersonen harmonisch in einen Plan einzugliedern, der einenAnfang, einen Knoten und einen Höhepunkt hat; er hatIdeen, aber keine Ahnung von den Tatsachen; seine Heldensind philosophische oder liberale Utopien, sein Stil schließ-lich ist von gesuchter Originalität, seine geschwolleneSprache müßte zu Boden fallen, wenn die Kritik nur mitder Nadel hineinstäche. Daher fürchtet er die Zeitungen un-gemein, wie alle die, die die Hilfssegel des Lobes brauchen,um sich über Wasser zu halten." „Was das für ein famoserArtikel ist, den du da verfaßt!" rief Lucien. „Die von derArt, mein Junge, darf man sich nur sagen, muß sie aberbeileibe nicht schreiben." „Du wirst Chefredakteur," er-widerte Lucien. „Wo soll ich dich absetzen?" fragte ihnLousteau. „Bei Coralie." „Ah! wir sind verliebt," sagteLousteau. „Sehr verkehrt! Mach aus Coralie, was ich ausFlorine mache, eine Wirtschafterin, aber die Freiheit überalles!" „Du könntest Heilige der Verdammnis übergeben,"rief Lucien und lachte. „Man verdammt Dämonen nicht,"erwiderte Lousteau.

Der leichte, glänzende Ton seines neuen Freundes, dieArt, wie er das Leben behandelte, seine Paradoxe, die mitden wahren Maximen des Pariser Macchiavellismus ver-mengt waren, wirkten auf Lucien, ohne daß er es merkte.In der Theorie erkannte unser Dichter die Gefahr dieserGedanken, aber in der Praxis fand er sie nützlich. Alsdie beiden Freunde beim Boulevard du Tcmple angelangtwaren, verabredeten sie, sich zwischen vier und fünf Uhrauf der Redaktion zu treffen, wo sie Hector Merlin sicher-lich vorfinden würden. Lucien war in der Tat eine Beuteder aufrichtigen Liebe der Kurtisanen geworden, die ihre

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