Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Miene, „ich habe alles für dich arrangiert, wie wenn dumein Bruder wärst; aber ich bürge nicht für Finot. Inden nächsten zwei Tagen wird Finot von sechzig Burschenbestürmt werden, die ihm Vorschläge machen und sichgegenseitig unterbieten. Ich habe für dich zugesagt; wenndu willst, kannst du ihm absagen. Du hast keine Ahnungvon deinem Glück," fing der Journalist nach einer Pausewieder an. „Du wirst zu einer Clique gehören, deren Ver-bündete ihre Feinde in mehreren Blättern angreifen undsich wechselseitig unterstützen." „Suchen wir vor allemFelicien Vernou auf," erwiderte Luden, der es eilig hatte,sich mit diesen gefürchteten Raubvögeln zu verbinden.

Lousteau ließ ein Kabriolett holen, und die beidenFreunde fuhren nach der Rue Mandar, in der Vernouwohnte. Lucien war sehr erstaunt, diesen schroffen, hoch-mütigen und stolzen Kritiker in einem überaus gewöhn-lichen Speisezimmer zu finden, das eine höchst geschmack-lose Tapete hatte. An den Wänden hingen Bilder inAquatinta in vergoldeten Rahmen. Er saß mit einer Frauam Tisch, die zu häßlich war, um nicht legitim zu sein,und zwei kleine Kinder saßen auf sehr hohen Stühlen,die eine Vorrichtung hatten, damit sie nicht herausfielen.Man sah Felicien an, daß es ihm nicht recht war, in einemSchlafrock überrascht zu werden, der aus den Resten einesMorgenkleides seiner Frau zurechtgemacht war.

„Hast du gefrühstückt, Lousteau?" fragte er, währender Lucien einen Stuhl anbot. „Wir kommen von Florine,"erwiderte Etienne, „und haben dort gefrühstückt."

Lucien mußte nur immer Frau Vernou ansehen, die wieeine biedere, plumpe Köchin aussah, ziemlich sauber, aberunbeschreiblich gewöhnlich. Frau Vernou trug ein Tuchüber einer Haube, deren Bänder so fest gebunden waren,daß die Backen wie ein Wulst hervorquollen. Ihr Morgen-rock hatte keinen Gürtel, war am Hals mit einem Knopf

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