Dementsprechend hatte ihn nichts so tief erschrecktwie die Tatsache, daß er den ihn überwältigenden Ein-drücken zuletzt nur noch durch ein „Angehaltenseindes Herzens" nachkommen konnte und die Fühlfähig-keit hilflos überstiegen fühlte. Er klagt es noch 1919(13. Januar aus München):
„Liebe, liebe Lou, wie bin ich doch außer Fassung,mein Innerstes hat sich zurückgezogen und geschütztund gibt nichts her, und mein Nicht-annehmen-Wollen von außen ging so weit, daß schließlich nichtallein der Krieg, sondern selbst die argloseste undreinste Natur nicht mehr an mich heranwirkte. Nie binich vom Wind aus dem Raum, von Bäumen, von dennächtlichen Sternen, so unerreicht gewesen; seit ichdas alles aus der bösen Verkleidung des Infanteristen-rocks heraus anstarren mußte, hats eine Abwendungerfahren, jene Unbezüglichkeit, zu der ich es damalsnötigte, um mirs nicht zu verderben."
Hier tritt zu dem, was Rilkes menschliche Leidens-fähigkeit ausmacht, noch eine persönliche Besonder-heit hinzu: der „Infanteristenrock" ist nicht nur derder Kriegszeit, sondern auch der seiner Militärschul-zeit, deren Erinnerung in sich heraufzurufen er sichnie hatte entschließen können, die zu jenen letztendunkelsten Erinnerungen gehörte, vor deren heim-licher Wucht er sich gewaltsam abgekehrt verhielt.Auch die „Wiederkehr des Gleichen" in Venedig ent-
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