Druckschrift 
Rainer Maria Rilke
Entstehung
Seite
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Man begegnet ähnlichen Traumängsten, einem ähn-lichen Miteinander von Erleiden und Vergewaltigen,manchmal bei Knaben zur Zeit der Mannbarkeit, ehesie ihr eigenes Geschlecht in ihr eigenes Ich voll ein-bezogen haben, seinen leiblichen Äußerungen alsihnen vertraut gewordenen gegenüberstehen. Aberselbst, wo dieses Gefühl von beirrender Doppelge-schlechtlichkeit noch lange nachwirkt, wird es dochvon der Körperreife überwunden, es kommt am Gegen-geschlecht meistens zur Korrektur; die erotische Part-nerschaft bringt die Wohltat eindeutiger Wesens-festigung. Bei dem Menschen mit vorherrschendemDurchbruch schöpferischer Anlagen ist das nicht eben-so selbstverständlich; die natürliche körperliche Aus-reifung findet daran eine gefährliche Nebenbuhler-schaft, sie sieht - in den verschiedensten Graden derVerteilung - ihre Kraft in Anspruch genommen vonder Richtung ins Werkhafte anstatt ins real Part-nerische. Auf Kompromiß angewiesen, ergibt sie den-noch eine um so stärkere Benommenheit durch diekörperlichen Vorgänge; die unwillig darauf gerichteteAufmerksamkeit veranlaßt den Körper zu lauter Un-lustkundgebungen, die ebenso viele zurückgetriebeneLustsehnsüchte sind und dadurch Schwermut überihn breiten, hypochondrische Überempfindlichkeitenhervortreiben. Diese Gefahr nimmt aber nicht ab, wieim durchschnittlichen Normalfall, sondern kann leicht

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