Juli 1537. 857
Zu i. Das Schreiben des Cardmals von Verulan, gerichtet an die VII Orte und datirt zu Rom den15. Juni geht dahin: Es sei bekannt, wie der türkische Kaiser in großer Rüstung gegen die Christenheit, be-sonders gegen Italien begriffen sei. Der heilige Vater »volle nun „under allen denen enet dem gebürg ge-sessen allein üwer knechten sich gebruchen", obwohl ihm von allenthalben viele angeboten worden seien. Er habedaher dem Cardinal aufgetragen, zum Schutze des Papstes und der Städte des heiligen Stuhls, auch gegendie Türken, von den VII Orten mit deren Bewilligung 5—6000 Fußknechte nach Italien zu bekommen. DerCardinal habe dcßwegen vorgestern an die VII Orte und auch an Niklaus von Meggen geschrieben. Da hieraufaber viele Berichte eingelaufen, wie die Türken mit großer Macht und in Eile sich nähern, so habe derPapst geglaubt, daß die Knechte der VII Orte zu spät erscheinen möchten und habe daher einen Kriegszuggesammelt um einem Angriffes» begegnen. Er verlange daher jetzt nur 500 Mann, die unter einem Haupt-wann, nämlich Niklaus von Meggen, möglichst bald nach Piacenza („Plcsenz") vorrücken sollen. Diese wollefür seine Person oder etwa zum Schutze eines besonder» Platzes verwenden, wie solches der oberste Haupt-wann von Piacenza, P. Loysius, der Kirche Confalonerius, anordnen werde. Inzwischen mögen die VII Ortesich in Betreff eines größern Zuzuges für den Fall, daß dieser erforderlich würde, berathen. Obwohl vonallen Nationen Hülfe anerboten werde, habe der Cardinal stets getrachtet, daß eine Garde aus den Eidgenossen gebildet werde, lind wenn die verlangten 500 Knechte bald nach Piacenza kommen, so hoffe er, daßium benannten Zwecke nur Eidgenossen verwendet werden. K.A.S°wthmn: Abschiede »d.ei.
Zu Ic. 1) Bei allen drei Abschiedeexemplaren befindet sich ein Vortrag der französischen Botschaft, denwir hier auszüglich geben.
1. Der Anwalt des Königs eröffnet, er habe einen Edelmann zu ihm geschickt und darauf Hill schrift-lichen Befehl erhalten, bei den Eidgenossen und besonders den VII Orten, als seinen vertrautesten Freunden,um Knechte zu werben; der König wolle sie nur zur Beschirmung seines Gebietes und seiner Person ver-wenden; denn die Feinde haben ihm die Stadt St. Pol wieder abgewonnen, selbst Weiber und Kinder darinerschlagen und die Stadt verbrannt; auch liegen sie jetzt vor Hesdin und drohen, noch weiter zu rücken; derDauphin und der Grandmaitre seien ihnen entgegen geschickt; nun begehre er 8—10,000 Knechte. 2. DerPensionen wegen sei Bescheid gekommen, daß jedes Ort seine Botschaft nach Lyon schicken könne, wo sie dasGeld auf den 25. d. M. gewiß finden werden; auch wolle der König die Kosten bestreiten. 3. Er wollewich alles Uebrige, was er schuldig sei, ehrlich erstatten, begehre dagegen, daß die Eidgenossen sich durch Practikcn,lue hier gemacht werden, nicht verleiten lassen. 4. Dem Bericht des Cardinals von Verulan, daß der PapstKnechte wider die Türken begehre, sollen sie keinen Glauben schenken; dieses Ansuchen geschehe ohne des PapstesAuftrag und habe einzig den Zweck, die etwa geworbenen Leute in Mailand zum Kaiser zu führen; wäreübrigens der Türke so nahe bei Rom, wie vorgegeben worden, so würde der Papst sich kaum dort finde»lassen; der Türke führe aber nur gegen den Kaiser Krieg. 5. Da der angesetzte Tag zu Baden gar entferntsei, so bitte er um eine Antwort wegen der Knechte. ,
2) Diesem Vortrag läßt der Freiburger Abschied unmittelbar folgende Eröffnung des kaiserlichen ^boten nachfolgen: Der Kaiser wolle die Erbcinung vollständig halten. Diese sei de» Eidgenossen l„nns )nützlicher, als die Vereinung mit dem König wegen des Verlustes, den die Ihrigen erlitten und es nGehorsams, den sie letztes Jahr bei denselben hervorgebracht habe. Man solle daher die französtl )en P^aclikcn abstellen, damit die eidgenössischen Kriegskncchtc der Christenheit Hülfe leisten. Barbae ossa sei mit großerMacht auf dem Meer, die Christen zu überfallen. Der Kaiser, entschlossen, diese zu beschirmen, begehre ge-treues Aufsehen und daß er sich der Angehörigen der Eidgenossen („der unser»") gegen die ^ür e» un ^uinSchutze Italiens und, wenn es mittlerweile nöthig werde, zum Schirm der ganzen Christenheit bedienenkönne. Die Vorfahren der Eidgenossen hätten auch ehrlich wider die Türken gcfochten. Dem König mögeü!an nicht entsprechen, er wolle nur die Hülfe gegen die Türken verhindern. Günstige Antwort, er er ge-bärtig, möge man dem römischen König zustellen. .. ^ ^
3) Dahin gehört vielleicht auch das im St.A.Luccrn: A. Frankreich. Nr. Siegende Crcd.t.v fürVoisriganlt an Lucern vom 19. Juni 1537 für Verrichtung nicht näher bezeichneter Aufträge.
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