119Ein Gedicht.Sie muß nicht, sie kann nicht aufhören mit denJahren. Ja, ewige Freude muß sie erwarten,denn ihr Schöpfer, wie du sagst, ist Liebe undGnade. Der mich erschuf, wird nicht vernich-ten; und der mir mein Wesen geschenkt, wird esohnfehlbar erhalten.Ich habe mit Wunder den Lauf der Sonne,die Bewegung des Mondes, und die unzählba-ren Heerden von Sternen, an dem schimmerndenGewölbe des Himmels gesehn. Ich habe denWechsel der Jahrszeiten betrachtet, und wahrge-nommen, wie der milde Frühling unsre Wälder,und unsre Thäler mit mannigfaltigen Blumenbekleidet. Ich fragte meine Seele: woher kommendiese großen Erscheinungen, diese wunderbarenVeränderungen. Ich fand keine Antwort, diemeinem Geiste gefiel. Meine Freunde konntenmir auch keine geben.Aber, du Lamin, hast die Augen meiner Seeleeröffnet, und die dicken Schatten, so die Wahr-heit verbargen, zerstreut. Großes Wesen, rufmich zu dir! Mein Leib ist von Jahren geschwächt.Meine Augen sind völlig des Lichtes beraubt. KaumH 4
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