Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

_ 245

beschuldigen, weil er die Siegel unverletzt, und dasHaus verschlossen fand. Aber da er bey einer zwey-ten und dritten Eröffnung des Geldes immer wenigerfand, weil die Diebe nicht aufhörten, es zu -plündern,liefs er Fallen machen, und stellte diese um die Ge-fäfse. her, in denen sich das Geld befand. Die Diebekamen 'wieder, wie zuvor, und der eine kroch hin-ein, nahte sich einem Gefäfse, und fühlte sich augen-blicklich gefangen. Als er merkte, welches Unglückihn getroffen hatte, rief er gleich seinen Bruder her-bey, iind erzählte ihm den Vorfall. Zugleich bat erihn , dafs er doch herein kommen , und ihm denKopf abschneiden möchte, damit er ihn nicht zugleichin das Verderben stürzte, wenn man ihn fände underkennete. Dem andern gefiel dieser Vorschlag, under vollführte ihn. Dann setzte er den Stein wiederein, und kehrte mit dem abgeschnittenen Kopfe sei-nes Bruders nach Hause zurück.

Bey Anbruch des Tages kam der König in dasGebäude, und erschiack, als er den Körper des Die-bes ohne Kopf in der Falle, und das Haus unverletzt,ohne weitem Ein- noch Ausgang fand. Weil er derSache gar nicht auf die Spur kommen konnte, liefser den L-eichnam des Diebes an der Mauer aufhängen,und stellte Wachen dabey, mit dem Auftrage, dafssie jedem, den sie dabey weinen oder wehklagensähen, greifen, und zu ihm führen sollten.

Als der Todte dort hieng, jammerte er seinerMutter, und sie sprach mit ihrem noch übrigen Sohneund befahl ihm, dafs er den Leichnam seines Bruders