Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
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190
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Von allen Völkern hegen sie die gröfste Ehrfurcht 57für die Götter, und beobachten dabey folgende Ge-bräuche. Sie trinken aus ehernen Trinkgefäfsen, diesie täglich scheuern, und dies thut nicht etwa blofseiner von ihnen und der andre nicht, sondern sie thun, es alle durchgängig. Sie tragen beständig frisch ge-waschnie leinene Kleider und halten sehr auf diesenGebrauch. Auch beschneiden sie der Reinlichkeitwegen, ihre Schaamtheile, weil sie lieber rein als schönseyn wollen. Die Priester scheeren sich immer umden dritten Tag den ganzen Leib, damit an ihnen, denDienern der Götter, weder eine Laus, noch sonstetwas abscheuliches haften möge. Sie tragen nichtsanders wie leinene Kleider und Schuhe von Biblus,und dürfen auch keine andre Kleider und Schuhe tra-gen. Sie baden sich zweymal des Tages und zweymaldes Nachts in kaltem Wasser, und beobachten auchsonsten noch, ich möchte sagen, tausenderley Ge-bräuche. Dagegen geniefsen sie aber auch vieler Vor-theile. So zehren sie gar nicht von ihrem eignen Ver-mögen, und bestreiten keinerley Aufwand davon.Denn sie bekommen gekochte heilige Speisen, undman giebt ihnen täglich Rind- und Gänsefleisch imüeberflufs, und so auch Rebenwein. Fische dürfen sienicht essen. Die Aegypter säen wenig Bohnen, unddiejenigen, welche das. Land hervorbringt, essen undkochen sie nicht; aber die Priester können sie nichteinmal sehen, weil sie sie für ein unreines Gemüse

halten-----Jede Gottheit hat nicht blos einen, sondern

mehrere Priester, über welche immer ein Oberpriester