Druckschrift 
3 (1800)
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

409zelnen Menschen, sondern ganze Völker in Ver-derben versenken. Der Unglaube kann langeunter dem Scheine der Weisheit den Unvorsich-tigen täuschen, und die ehrwürdigsten Grund-sätze der Tugend, als Thorheit und Aberglau-be verspotten. Aber nicht immer. Neinwenn jenes den Gipfel seiner Macht unter demSchutze von diesem erstiegen, wenn dieser allent-halben alle besseren Grundsätze und Gefühle ver-drängt, und die Welt mit allen Auftritten desnamenlosesten Jammers erfüllt haben wird; dannwird beyden die täuschende Maske entfallen; dannwird das lange genug betrogene, und in denAbgrund des tiefsten Elendes verfunkene Ge-schlecht der Sterblichen, beyde in ihrer wahrenGestalt erblicken, und sich vor diesem scheusli-chen Anblicke entsetzen. Die Erfahrung, dietraurigste Erfahrung, wird den Lehren der Weis-heit einen bisher noch unbekannten Nachdruckertheilen, und die auf diesem langen aber un-vermeidlichen Wege weiser gewordenen Menſchen,werden dann richtiger ihre wahren und ihre vor-gegebenen Freunde voneinander unterſcheiden,und standhafter auf der Bahn der Pflicht undTugend wandeln. Das Uebermaaß des Unglau,bens und der Unsittlichkeit wird das kräftigsteMittel seyn, ihre Verderben bringende Herr-schaft zu stürtzen. Und eben das hofft underwartet der christliche Weise, von der allesumfassenden Regierung des Gottes, an den er