403häusliche und öffentliche Wohlfarth genannt wird,als jene oberflächliche Bildung, die es immernur mit einem Theile aufnimmt? die das Herzverwahrloßt und von allen Gefühlen des Wah-ren und Guten leer läßt, wo nicht gar mit allenNeigungen zum Bößen erfüllt, während dem siesich, die, unter diesen Umständen, so unfeligeMühe giebt, den Kopf ſoviel mehr zu verfeine-ren, und zur Befriedigung aller Lüste des ver-wahrloßten oder verdorbenen Herzens, soviel ge-schickter zu machen? Was streitet mehr mit derinnersten Einrichtung unserer Natur, als jeneüberverfeinerte, die Vernunft überwältigende Sinn-lichkeit? Als jener Unglaube, der durch Frechheitund Hohngelächter Wahrheiten zu vertilgen strebt,die dem Menschen tief in das Herz geschriebensind, gegen welche er sich nie ungestraft, nie oh-ne früher oder später sein eignes Elend zu bewir-ken, empört? — Wenn also der christliche Weisein unseren Zeiten allenthalben soviel Unsittlichkeit,soviel Ausschweisung und Zügellosigkeit wahr-nimmt; wenn er hier und da die fürchterlichstenWirkungen derselben, sogar in einem bißher bey-spiellosen Maaße erblickt; wenn er es sich nichtverheelen kann, daß unter ihrer Unglück erzeugenden Herrschaft, die heiligsten und ehrwürdigstenBande der menschlichen Gesellschaft erschlafft oderzerrissen, die stärksten Pfeiler der menschlichenWohlfarth umgestürzt sind, und daß, bey ihrerCc2fer-
Druckschrift
3 (1800)
Seite
403
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten