381gierungen der Staaten einen näheren Antheil haben,und über uns gestellt sind, sind so wenig von Fehlernund Schwachheiten befreyt, als die Verfassun-gen der Staaten von Gebrechen und Mängel. Siesind Menschen wie wir. Der Glanz der sie umgiebt,die Macht die sie besitzen, die Quelle des Reich-thums, der sie so nahe sind, die feilen Schmei-cheleien derer, die sie allenthalben umringen, dieweite Entfernung von so manchen Gegenständender Sorge und Noth; sind allerdings sehr geschick-e Mittel, auch das beste menschliche Herz zuverderben, und gerade in die Laster zu stürzen,welche andern, die sich mit ihnen nicht in glei-cher Lage befinden, am unerträglichsten seyn müs-sen. Aber was versichert uns davon, daß wir inähnlichen Umständen, fester auf der Bahn der Tu-gend beharren werden? Daß uns der Glanz derHoheit niemahls zum Hochmuthe, die Macht niezum. Mißbrauche der Macht, Reichthum undSchmeicheley nie zur Trägheit und üppigen Gleich-gültigkeit gegen das Wohl von andern verleitenwerden? Sind denn etwa unsere Herzen so reinvon allem Saamen des Bösen, oder ist unsereTugend so geläutert und erprobt, daß wir dasmit Zuversicht hoffen dürfen? Ach, wer da ste-het, der ſehe doch wohl zu, daß er nichtfalle! Und wer den Harnisch erst an-legt, der rühme sich nicht, als wanner ihn bereits abgelegt hätte. Niemandſetze
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3 (1800)
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381
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