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379statt, wenn wir aus unserer Mißbilligung derFehler, welche andere begehen, oder aus un-serem lebhaften Abscheu gegen die Laster, welchewir an ihnen bemerken, sogleich auf unsregrößere Weisheit und Vollkommenheit schlies-sen. Nichts ist gewöhnlicher und täuschen-der als dieser Fehlschluß. Wo das Herz noch nichtgänzlich verdorben ist, da ist ihm Unwille und Abscheugegen das Böse natürlich, so lange es sich ihman anderen in seiner wahren Gestalt zeigt. AberGeschichte und Erfahrung stellen uns hierbei dieSchwäche und Verdorbenheit unserer Natur inein eben so helles als trauriges Licht, indem sieuns an unzählbaren Beyspielen wahrnehmen las-fen, daß wir dennoch, dieses natürlichen Ab-scheues ohngeachtet, unter die tyrannische Herr-schaft der von uns vorhin und lange verabscheu-ten Laster gebracht werden können, sobald irgendeine Veränderung in unseren äußerlichen Umstän-den und unserm Zustande entsteht. Die Ursachedieſer traurigen Umkehrung ſagen und geſtehenwir uns zwar ungerne. Aber es ist nothwendigdaß wir sie wissen, wenn wir wirklich fest undſtark wollen werden, im Guten. Der Saamenehmlich zum Laster, auch zu dem Laster, daswir an anderen oft und laut verabscheut haben,liegt in uns allen. Und bey dem Mangel an dergehörigen Wachsamkeit, bedarf es wahrlich nurder erwähnten Veränderung in unserem äußerli-chen