196sunkenen Volke, den groben Ausbrüchen desLasters zu wehren, aber nie die wahre Tugendzu gebieten vermögen! Durch Gesetze, die zwardie Unzucht, den Diebstahl, den Mord bestrafen,aber nicht die Wohllust, den Eigennutz, den Haßoder die Rache, aus welchen jene entspringen,ersticken, nicht die Unschuld, nicht Uneigennützig-keit und Großmuth, nicht Gemeinsinn und Va-terlandsliebe, nicht so viele andere Tugendenlehren, auf welchen doch die Wohlfarth und dieErhaltung des Staates beruhen! Durch Gesetze,die unter allen unsittlichen, und durch Unsitt-lichkeit verdorbenen Völkern, immer nur dasschwache Spinnengewebe waren und noch sind,worinn die kleinen Thierchen sich fangen, wäh-rend dem es die größeren zerreißen! Durch Ge-setze endlich, von welchen es die häufigste, täg-liche Erfahrung bestätigt, daß sie zu Hundertenund Tausenden gegeben werden können, undwirklich gegeben werden, ohne daß sie den im-Volkes in Laster undmer tieferen Verfall einesElend, die Zerrüttung und Auflößung einesStaates verhindern! Wie war es moͤglich, hierinneine Zeitlang, die einfachste, auffallendste Wahr-heit zu verkennen? Und wie ist es noch mög-lich, daß man sie, hier und da, in dem elen-deſten Wahne verkennt? Die ſo einfache undauffallende Wahrheit, daß Gesetze nur dann et-was nützen, nur dann die Wohlfarth der Völ-ker
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3 (1800)
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