165in der Gesellschaft, in der Dunkelheit der Nacht,wie am hellen Lichte des Tages, mit Lust undKraft zum Guten, mit Muth und Freudigkeit zurErfüllung aller auch der beschwerlichsten Pflichten,so wie mit Abscheu und Entsetzen vor Unsittlich-lichkeit und Laſter durchdringen? Nein, die Wohl-lust mag alle, auch ihre verführendsten Reize auf-bieten, um mich von der Bahn der Tugend zulocken; das Laster mag mir die größten Belohnun-gen, Befriedigung meiner Lüſte, Reichthümer,Ehre und Macht, in ſeinem Dienſte verſprechen,oder seine Knechte auch mit allen Schrecknissen;mit allen Quaalen der Tyranney und des Elen-des bedrohen, wenn ich mich nicht nach ihremWillen bequeme, und ihre verderblichen Gebotevollziehe; kein Reiz der Wohlluſt, keine Lockungdes Lasters, keine Drohung der Tyrannen, nichtssoll mich von dem Wege der Pflicht, von Rechtund Wahrheit entfernen! Denn Gott ist meinZeuge! In seiner Gegenwart, unter seinen Au-gen, übernehme ich, nach seinem Willen, denKampf der Vernunft mit der Sinnlichkeit, denharten Streit der Lust mit der Tugend, der Recht-schaffenheit und Pflicht, mit dem oft übermächti-gen Laster! Und selbst dann wenn ich leide, wennmich die Nacht der Trübsal umringt, werde ichin diesem glorreichen Kampfe nicht muthloß, nichtverzagt! Sein Licht umstrahlt mich, auch in derdunkelsten Nacht, und das Gefühl seiner Gegen-warL 4
Druckschrift
3 (1800)
Seite
165
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten