162Güte immer mehr näheren zu dürfen! Konntedas Christenthum der edelsten Ehrbegierde eineglänzendere Laufbahn eröffnen, und uns zur fro-hen Ausübung der Pflicht und Tugend nachdrück-licher aufmuntern, als indem es mir und unsallen zuruft: vollkommen zu werden, wieunſer Vater in dem Himmel vollkom-men ist; heilig und gut zu seyn, wieer heilig und gut ist? — Dieser Gott, denmich Jesus Lehre kennen, und glauben und lie-ben lehrte, ist aber nicht nur das Muster, son-dern auch der Zeuge, der untrüglicheZeuge meines Verhaltens. Mit ihm ſte-he ich in den engsten Verbindungen, und, wennich nur selbst will, in den seligsten Verhältnis-sen: Er tst mein Schöpfer, und ich bin sein Ge-schöpf. Er ist mein Oberherr, und ich bin seinUnterthan. Er ist mein Vater, und ich binsein Kind. Und er, mein Vater ists, derins Verborgene ſiehet. Keine Handlung,kein Wort, keine Neigung, keinen Gedankenselbst, kann ich vor seinem allsehenden Auge ver-bergen. In ihm lebe, webe, und bin ich.Er erforſcht mich, und er kennt mich.Ich sitze oder stehe auf, so weiß er es;er verskehet meine Gedanken von fer-ne. Ich gehe oder liege, so ist er ummich, und stehet alle meine Wege. Esist kein Wort auf meiner Zunge, das
Druckschrift
3 (1800)
Seite
162
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten