Druckschrift 
3 (1800)
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

131dung und Aufklärung werth sey, und daß manklug handele, wenn man einen kleineren Vor-Vortheil einem weit größeren aufopfert. Alleindie Vernunft, die Geschichte und Erfahrung ver-einigen sich hier, einen solchen Wahn zu be-streiten, indem sie uns die Quelle des Unglücksund Elends der Völker, der Zerrüttung undAuflösung der Staaten, in etwas ganz anderem,nehmlich in der herrschenden Unsittlichkeit zeigen.Und würde diese, durch Unterdrückung derAufklärung und Freyheit vertrocknen? Oderschwächer fließen, und weniger Verderben ver-breiten? Würden unwissende und rohe, oderaberglaubige, weder ihre Bestimmung, noch ih-re Würde, noch ihre Verhältnisse, weder ihreRechte noch ihre Pflichten kennende Menschen,den Gesetzen besser gehorchen, und ihre Wohl-farth kräftiger schätzen als aufgekärte und freye?Das glaubt wohl niemand, so wie es denn auchniemand zu glauben vermag, der Geschichte undErfahrung zu Rathe zieht. Und doch will mansich so ungerne davon überzeugen lassen, daßdie Unsittlichkeit das Elend der Völker, undden Untergang der Staaten bewirke, obgleichdie ganze Geschichte unseres Geschlechtes ein an-einanderhangender, jedem in die Augen fallenderBeweis davon ist. Die durch diese Anklage em-pörte und erschrockene Sinnlichkeit unseres Zeit-alters,2