62Europens Sittenzustand.Geistesgüte besitzen, die Kraft in That und Wor-ten äussern, die eine beyspiellose Uneigennützigkeitbey dem Herausgeben ihrer Werke an Tag legten,dennoch von muthwilligen Buben ungeahndet mitKoth geworfen werden dürfen, woher soll manMuth nehmen dir zu dienen, dich zu lieben, fürdich zu leben, zu schreiben, zu handeln, zu bluten!Die Akademien, die Schulen der Gelehrten,sind größtentheils Wohnsitze des Schwaͤrmergeistes,der geistlähmenden Polemik und metaphysischenSpinnweberey; — von der Minerva siehet man fastnichts als ihre — Eule! Kaum kann ein ehrlicherMann mehr verstehen, was die Gelehrten wollen.Sie wollen erhaben seyn und reden Bombast,Nonsense, Galimathias; — die ehrliche Spracheder Vernunft ist schrecklich verdorben worden. Dieneuen Philosophen unter den Deutschen haben ei-nen Styl, so barbarisch, daß beynahe kein neuerPrediger, Rechtsgelehrter, oder Gesetzgeber mehrverstanden wird, wenn er ihre Schule besucht hat;als ein Fluch ruhet es auf allen, die nach der heutigenKantiſchen Philoſophie träumen, daß ſie unbrauch-bar für das Leben, im Reden und Handeln fürdas Volk erlahmt sind. — Daher die grosse Auf-lösung der Sitten, der Anhänglichkeit, der Treue!Verstellung, zurückstossendesGesen ist jetzt zwischenden Ständen allgemein;Träumer und Heuchler
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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