63Europens Sittenzustand.giebts jetzt unter den Gelehrten vorzüglich vieleUnd es wimmelt von Gelehrten und Schriftstellerndie den Staat schwer drücken.Die Axt hat deine älteste Eichen gefällt;Europa! und der Arm der Kultur hat deine Wäldergelichtet. Alles ist so neu, so verändert, so schwäch-lich, so gekünstelt! Von Eisrinden haben dieAufklärer einen Aufklärungstempel errichtet, darinnder Priester wie der Anbeter — fröstelt! Kurz, dasie sich für Weise hielten, sind sie alle zu Narrenworden.Unsre heutigen Gelehrten sind mehr Nachschwä-zer als gerade Menschen. Die alten Schriftstellerhaben alle mehr Natur gehabt, da hingegen dieNeuern einzig nur ihre Kenntnisse aus Büchern ha-ben. Darum sind die alten Schriftsteller billig einDenkmal, an denen wir uns wieder aus dem Tau-mel der Gelehrsamkeit orientieren müssen. Und es istein nicht allmaͤhliges, sondern unbegreiflich schnel-les Herabſinken zur zweckloſeſten Strebsamkeit,zum kühlen, herzlosen Geschreib' und Gerede, zurphysischen und moralischen Entkräftung! Als Viertel= und Halbmaͤnner, käuen sie ihr ganzes Lebenden Brey wieder, der ihnen von todtkalten Syste-matikern ums Maul gestrichen wird; — sie legenalles auf die Retorte der froſtigen Kritik, und amuͤ-siren sich am verfliegenden Dufte der Wahrheit.
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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