61Europens Sittenzustand.deinen Gott! Und sie alle wollen noch Christen heis-sen! Aber der, nach dessen Namen wir uns bishernannten, hat hohe Ursache uns zuzurufen: Fahrethin und diene ein jeder seinem Götzen, aber mei-nen Namen laßt hinführo ungeschändet!Auch die Buchdruckerpressen haben die Sitten-verschlimmerung mit grossem Erfolg befördert!Man denke nur, welche entehrende Schriften inden letzten 30 Jahren Trotz aller Censur zum Vor-schein kamen; wie öffentlich und heimlich unsreBelletristen (Genies!!) in dem so biedern, from-men, keuschen, zuͤchtigen, ehrbaren Deutschlandeden schädlichsten Saamen ausstreuten, aller Unzucht,aller Hohnsprechung und allem Luxus das Wortredeten; und unsern Kindern und Enkeln den gift-getränkten Dolch ins Herz stiessen!! — Man denkean die Menge paͤdagogiſcher Grillenfänger, Er-ziehungsräthe, Projektmacher; an die Verachtungalles Alten! Und an die Lesewuth die ihres gleichennicht hat. Man denke an das Chor von satani-schen Henkersknechten, die jeden an Galgen derKritik schlagen, der nicht ihres Gelichters ist; andie Komplottmacher, an die Legion von Rezensen-ten und Kläffern in Journalen! O Vaterland,Vaterland! Wenn Männer von Wahrheitsfinn,von Religionsliebe, von Gelehrsamkeit, von Va-terlandseifer beseelt; Männer, die Herzens= und
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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