Europens Sittenzustand.58losesten Bilder; nackte Statuͤen! Ihre oͤffentlichenLusthäuser, Gärten und Theater sind Tempel derUnzucht; ihre Bibliotheken, Schatzkammern derLambsake und der Epicure; — überall Ueppigkeitund abgöttische Verehrung des Luxus! Welche un-geheure Summen werden für solche Dinge bezahlt!indessen hart neben diesen Pallästen des Muthwillens, der dürftige Unterthan und Bürger kaum eineDecke, kaum eine Hülle über seine Schaam, kaumein Dach hat — kaum einen trocknen Bissen seinenUnmündigen in Mund stecken kann! — Und darufen die Schmeichler noch: Ja, unser Fürst istein Mann von Geschmack; ein Kunstkenner, derdas Grosse und Schöne liebt; ein Beschützer derZissenschaften!Auch für den Gaumen muß aus allen vier Welt-theilen zusammengeschleppt werden, was kriecht,was fliegt, was reizt, was lockt, was verderbt!Die alte Ehrlichkeit, Sparsamkeit und Gutmüthigkeit im Hause der Großväter, wird lächerlich ge-macht!Das ganze Erdenrund muß dem Reichen zumTribut dienen; aus tausend Körpern saugt er dasOel und die Säfte; ihm müssen düften alle Wohl-geruͤche; ihm muß die aromatiſche Staude ihrMark tröpfeln, und die geistigen Getränke spru-deln; indianische Gewürze, wildes und zahmes
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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58
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